Spitzbergen 2000

und die Newtontoppen Skiexpedition

 


 

Unternommen mit: Gerhard Gindl

 

Vortrag: "Spitzbergen – abenteuer europäische arktis"

 

Sponsor: Northland Professional

 


 

Bericht: 

 

 

 

Der böige Sturm heulte, drückte die Zeltwände bedenklich weit nach innen, und langsam aber sicher wurde unsere kleine Oase vom Treibschnee begraben. Es war April, Gerhard und ich waren unterwegs zum Newtontoppen, dem höchsten Berg des Svalbard-Archipels von dem Spitzbergen die größte Insel ist.

 

Schon seit Tagen saßen wir am Lomonosovfonna, einer riesigen Eiskappe auf über 1000 Metern, im Sturm fest. Noch einen Tag hätten wir marschieren müssen, um am Gipfel des 1717 Meter hohen Newtontoppen zu stehen. Eine Woche lang hatten wir uns bei extremen Minustemperaturen (unter -30°C) bis hierher geschunden, jeder einen vollbepackten Schlitten im Schlepptau, als sich plötzlich das Wetter schlagartig änderte. Je länger der Sturm tobte und uns im Zelt fesselte desto weiter weg rückte unser eigentlich greifbar nahes Ziel. Die Zeit lief uns davon, immer feuchter wurde es im Zelt und in unseren Schlafsäcken, da wir gezwungen waren in den Apsiden zu kochen und aufgrund der extremen Schneedrift kaum lüften konnten.

 

   

 

Schon bei meiner dreimonatigen Sommerreise nach Spitzbergen - den Sommer zuvor - kamen wir hie und da in übles Wetter, das uns manchmal ein bis zwei Tage nicht vorankommen ließ. Gemeinsam mit Wolfgang war ich damals große Teile Spitzbergens zu Fuß in bis zu vier Wochen langen Trekkingtouren abgewandert.

Seit Anfang Februar 2000 war ich nun wieder zurück auf Spitzbergen, besuchte im Hauptort Longyearbyen zwei kurze Kurse an der Universität (UNIS) und unternahm etliche Skitouren in der Umgebung Longyearbyen, bis ich gemeinsam mit Gerhard im April Richtung Newtontoppen aufbrach.

 

     

 

Seitdem wir Longyearbyen verlassen hatten waren wir bei klirrender Kälte von um die 35°C unter Null tagelang durch eine grandiose, ruhige Gletscherlandschaft marschiert. Wir hatten zugefrorene Fjorde überquert und stiegen letztendlich über große Gletscherzungen auf die Eiskappe des Lomonosovfonna. Schon zu Beginn des Trips hatte Gerhard mit seinen Füssen Probleme. Er bekam durch das mühsame Gehen und Schlitten ziehen riesige Blasen an den Füssen, da unsere Kunststoffschuhe bei den tiefen Temperaturen nicht mehr weich wurden. Mir war es ein Rätsel wie man sich mit solchen Füssen überhaupt noch fortbewegen konnte.

Oft gab es bei unseren Schlafplätzen frische, bratpfannengroße Eisbärspuren, was nicht gerade zu angenehmen Nächten beitrug. Wir waren zwar mit einem großkalibrigen Gewehr ausgerüstet, trotzdem ist es bei nächtlichem Eisbärenbesuch im Zelt nie so sicher, wer als Sieger hervorgeht (siehe Spitzbergen Expedition 2004).

 

    

 

Der Sturm riss erbarmungslos an unserem Zelt und unser Ziel - der Newontoppen - schwand immer weiter dahin, je mehr Zeit wir im Zelt versitzen mussten. Als sich dann nach 4 Tagen der Sturm endlich zu einem Lüftchen beruhigte, der Schneefall beinahe aufhörte und die Sonne zum Vorschein kam, war für uns die Besteigung gelaufen. Obwohl es nur noch ein Tag bis zum Gipfel gewesen wäre, wollten wir ein Weitergehen nicht riskieren, da wir bei einer weiteren Schlechtwetterperiode mit unseren knapp berechneten Lebensmittelvorräten nicht ausgekommen wären. So beschlossen wir nach langem Hin und Her umzukehren und marschierten, genau so wie wir gekommen waren, jedoch durch tiefen Neuschnee, eine weitere Woche zurück nach Longyearbyen, dem mittlerweile 1800 Einwohner zählenden Hauptort der Inselgruppe.

Gerhard kehrte nach Österreich zurück und ich unternahm in Folge noch einige kürzere und längere Touren, bis die Schneeschmelze einsetzte, und ich ebenfalls abreiste.

 

   

 

   

  


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