Ein Radausflug

von Lappland nach Sydney

 

23.400 km, 3 kontinente, 14 länder, 10 monate

 

 

 

 

Unternommen mit: Patrick Schaudy und Boris Böttger

 

Vortrag: „Unterwegs – ein Radausflug von Lappland nach Sydney“

 

Sponsoren: Northland Professional, Radsport Kotnik, Bikers Best, Freytag&Berndt

 

Buch in Arbeit: zum Buchprojekt

 


 

Bericht:

 

20.01.2002, Sydney, mein letztes großes Ziel, das Ende einer langen, strapazreichen und interessanten Reise war erreicht. Im Mai 2001 war ich in Björkliden, einem kleinen Ort im schwedischen Lappland, zum ersten Mal auf den Fahrradsattel geklettert und hatte in den darauf folgenden Monaten 23.400 Kilometer zurückgelegt, in denen ich mich durch 3 Kontinente bzw. 15 Länder bis nach Sydney gestrampelt hatte.

 

Die ersten 3500 Kilometer, von Nordschweden bis Österreich fuhr ich alleine, dann stieg mein Bruder Patrick in die Reise ein, und gemeinsam radelten wir bis Indien, wo wir Boris Böttger trafen, und zu dritt durchquerten wir Indien bis Kalkutta. Patrick musste nach Österreich zurückkehren und gemeinsam mit Boris war ich die restlichen Monate bis zum Ende der Reise unterwegs.

 

Als ich im Mai 2001 mit dem Radfahren begann, waren die Seen und Flüsse in Lappland noch zugefroren, es lag oft Schnee und war relativ kalt. Ich fuhr auf einsamen Strassen durch endlose Wälder und setzte von Göteborg mit der Fähre nach Frederikshavn im Norden Dänemarks über. Hier hatte der Frühling bereits Einzug genommen, überall blühten Blumen, die Felder waren bestellt und auf kleinen Nebenstrassen, Wald- und Radwegen suchte ich mich durch Dänemark und Deutschland nach Österreich, wo ich in Graz einen ungewollt langen Stop einlegen musste, da die iranischen Visa für mich und meinen Bruder Patrick noch 10 Tage auf sich warten ließen.

 

  

 

Nach dieser Pause waren wir zu zweit unterwegs, kamen durch Ungarn, fuhren über die Hügel Rumäniens, erreichten in Bulgarien erstmals die Schwarzmeerküste und strampelten am 05.07.2001 in Istanbul ein.

 

Langsam wurde es unerträglich heiß, und unsere gewählte Route führte uns der türkischen Schwarzmeerküste entlang, wo es zusätzlich noch extrem schwül und hügelig war, was den Ausflug zur Tortur machte, daher waren wir froh, bei Trabzon endlich in die Berge abzweigen zu können, wo das Klima zwar noch heißer wurde, jedoch die Schwüle aufhörte und wir bald auf dem flach Hochland dahinstrampelten. Wir bewegten uns langsam immer weiter Richtung Iran (Persien), kamen durch staubige Orte mit ärmlicher Bevölkerung, wo Kinder und solche die meinten, noch immer welche zu sein, das Hobby verfolgten, uns zuerst zuzuwinken und uns anschließend Steine nachwarfen.

 

   

 

Am 28.07.2001 überquerten bei Dogubayacit die Grenze nach Persien, einem uns bis dahin absolut unbekannten Land, von dem wir nur wussten dass es zu den „Schurkenstaaten“ zu zählen ist.

 

   

 

Jedoch George Bush würde es nicht glauben, der Iran empfing uns extrem freundlich, mit winkenden Kindern und netten, hilfsbereiten Menschen. Nie wurde im Iran ein Stein nach uns geworfen. Wir fuhren quer durch das heiße und trockene Land, stoppten in Teheran, Esfahan, Yazd und Bam, genossen die Gastfreundschaft der Iraner, bewunderten die einmalige Lehmarchitektur und kamen letztendlich in die großen, extrem heißen Wüstengegenden, die den Iran von Pakistan trennen.

  

   

 

Auf iranischer Seite hatten wir 4 lange Tage durch eine menschenleere und -feindliche Gegend vor uns, in der es weder Orte noch Oasen gab, in denen wir uns mit Lebensmitteln ausstatten konnten. Die Temperaturen kletterten tagsüber auf über 55° Celsius, bei Militärstationen bekamen wir Wasser und nette LKW-Fahrer stoppten und versorgten und mit Lebensmitteln und Getränken.

 

   

 

Nach harten Tagen endlich über der Grenze, und in Pakistan, änderte sich für uns vorerst nicht viel, weitere 6 Tage benötigten wir für eine unbarmherzige Wüstenstrecke, durch Hitze und Sandstürme, entlang der afghanischen Grenze, bis wir am 07. September 2001 Quetta, die erste richtige Stadt in Pakistan, erreichten.

 

   

 

Am 11. September befanden wir uns irgendwo in der Bergwelt Baluchistans und erfuhren nur langsam und wenig von dem Terroranschlag auf das WTC, aber schnell veränderte sich die Stimmung der konservativen Pakistanis. Des öfteren wurden uns jetzt Steine nachgeworfen oder aus vorbeifahrenden Bussen auf uns heruntergeschimpft Jedoch bekamen wir nie ernsthaft Schwierigkeiten und für den Grossteil der pakistanischen Bevölkerung waren wir, bis wir am 22. September nach Indien ausreisten, gerne gesehene Gäste.

 

   

 

Das Klima war bereits extrem schwül, und wir tauchten nun tief in den Schmutz und Grind des Subkontinents ein. Unser Weg führte uns nach Delhi und weiter nach Agra, wo wir unseren dritten Mann, Boris trafen. Gemeinsam fuhren wir dem Ganges folgend nach Osten, kamen durch hinduistische und buddhistische Pilgerorte, durch kleine Dörfer und Industriestädte, und erreichten am 19.10.2001 Kalkutta. Kalkutta war für mich ein Wendepunkt, Patrick stieg nach 10.000 gemeinsamen Kilometern vom Rad und aus der Reise aus, und Boris und ich bestiegen erstmals ein Flugzeug und setzten nach Chang Mai, im Norden Thailands, über. Die Überlandtour war damit zu Ende.

 

   

 

Thailand war für uns nach den Monaten am Subkontinent eine richtige Wohltat, alles schien sauber, die Leute waren zwar interessiert aber in keinster Weise so aufdringlich wie die Inder oder Pakistani, allein das Klima wurde nicht besser, sondern vielmehr noch unerträglicher, da auf der Fahrt in den Süden die Monsunniederschläge mit voller Wucht einsetzten und uns von der Strasse spülen wollten. Unser Weg führte uns durch üppigen Jungel, durch die Hauptstadt Bangkok, vorbei an schwimmenden Märkten und durch kleine Nationalparks. Auch auf der Fahrt durch Malaysien hatten wir den Monsun im Nacken und am 20.11.2001 erreichten wir Singapore.

 

  

 

Nach langen Überlegungen liessen wir Indonesien aus und nahmen einen Flug nach Darwin in Australien, von wo aus wir begannen den Kontinent von Norden nach Süden zu durchqueren. Im Norden gab es auch hier heftige, monsunale Niederschläge, im Landesinneren dann häufig lokale Gewitter. Die Distanzen zwischen den einzelnen Versorgungsmöglichkeiten wurden immer grösser und kletterten auf über 200 Kilometer. Auf endlosen, geraden Strassen und durch beinahe vegetationslose Landschaften strampelten wir Ayers Rock entgegen, und auf eben endlosen, geraden Strassen führte uns unser Weg weiter durch die Flinders Ranges nach Adelaide, der ersten richtigen Stadt in Australien, von wo aus wir weiter, der verregneten Küste folgend, nach Melbourne und Sydney strampelten. Am 20.01.2002 radelten wir durch die Strassen Sydneys und das Endziel der gesamten Reise war erreicht.

 

   

 

Ich hatte in 10 Monaten 23.400 Kilometer auf dem Fahrradsattel zurückgelegt, kam durch 14 Länder und durchquerte 3 Kontinente. Ich war weniger stolz auf meine Leistung, sondern vielmehr traurig, dass diese grosse Reise ein Ende finden musste. Aber man beendet bekanntlich eine Reise ja nur deshalb um eine Neue beginnen zu können!

 


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