ASIEN 1998

- In 100 Tagen von Peking nach Kathmandu -

 

   


 

Unternommen mit: Patrick Schaudy

 

Vortrag: „In 100 Tagen von Peking nach Katmandu – eine Reise um den Himalaya“

 

Sponsor: Northland Professional

 

 


 

Bericht:

 

   

 

 

Nach einem langen Flug landeten Patrick und ich Anfang Juli in Peking, Von wo aus wir unsere 100 tägige Reise nach Katmandu starten wollten. Die Idee war, auf Peter Flemmings Spuren entlang der Seidenstrasse nach Pakistan zu Reisen, durch Pakistan zu gondeln, nach Indien bzw. in die Krisenregion Kashmir zu fahren , in Nepal zu enden und unterwegs Trekking und eine Radtour einzubauen.

 

In China zu Reisen war für uns einerseits, auf Grund des Verständigungsproblems, spannend und andererseits ein Hochgenuss wenn es um das Kulinarische ging. Als Fremde waren wir den Chinesen oft komplett gleichgültig, nur wenn es darum ging, einen Platz im „hard seater“ des Zuges oder in einem der überfüllten Busse zu erhaschen, waren wir aufgrund von Größe und Körperbau (verglichen mit den Chinesen bin sogar ich mit meinen 170 cm ein Riese) schnell erkannt und gefürchtet.

 

Wir reisten über Xian Richtung Taklamakan und im Norden entlang der Wüste immer weiter nach Westen. Die Bahnlinie endete und wir waren mit diversen schrottreifen Überlandbussen unterwegs, rauchten mit freundlichen Chinesen Zigaretten mit denen man eine Strasse hätte teeren können, aßen jede Menge Melonen und schwitzten in der Hitze der Wüste wie selten zuvor. Je weiter wir nach Westen kamen, desto dünner besiedelt war das Land und desto schärfer wurde das Allerlei auf unseren Tellern.

 

Letztendlich erreichten wir Kashgar, eine Oase im verdörrten Rundum, die letzte Stadt die wir in China besuchen sollten. Wir verbrachten ein paar Tage in Kashgar und kauften uns die billigsten Gäule, die wir am Fahrradmarkt finden konnten, zwei relativ kleine chinesische Räder, Marke „Citybike“, ohne Gang und einer Hinterbremse die aus einem Lederriemen bestand, der um die Hinterachse geschlungen war und bei der Bremshebelbetätigung begann, an der Achse zu schleifen.

 

Mit diesen Geräten wollten wir den Karakorum Highway in Angriff nehmen. Allerdings nur den Hinunterweg, bergauf nahmen wir, nach einem Stopp am Karakul See, den Bus, da unsere Drahtesel im Anstieg nur mit Schieben von der Stelle zu bewegen waren.

 

Auf 4730 Metern am Khunjerab Pass angekommen, schnallten wir unsere Rucksäcke auf die Räder und rollten los, 5  Tage lang fast nur bergab, durch eine herrliche Landschaft aus Tälern und Canyons bis Pasu, wo wir unsere Qualitätsräder, die nach der kurzen Fahrt schon an Zerfallserscheinungen litten, wieder verkauften. Hier lernten wir den um die Welt gondelnden Ungarn Zoltan kennen und mit ihm und leichtem Gepäck brachen wir zu einer 2 wöchigen Trekkingtour über Shimshal (ein Ort der nur zu Fuß erreichbar ist) in Richtung K2 auf. Die Tour führte uns über hohe Pässe und durch tiefe Schluchten. Kein anderer Tourist weit und breit (in ganz Pakistan) und die Wege waren oft schwindelerregend in die Felswände gezimmert. Im Ort Shimshal, den wir nach einigen Tagen erreichten, brauchte es einiges an Überredenskunst, den Ältesten des Ortes dazu zu bringen, uns auch mit fehlender „permit“ weiter gehen zu lassen.

Wir hatten geplant unsere Lebensmittelvorräte schon beim Hinmarsch in Shimshal aufzufüllen, jedoch außer einem Sack Mehl konnten wir nichts bekommen, was unseren Gaumen nicht gerade jubeln ließ.

Wir marschierten weiter in Richtung K2, und nach ein paar weiteren Tagen erreichten wir die Sommerweide des Ortes, von wo aus sich uns ein herrlicher Blick auf den K2 bot. Hier war für uns allerdings Schluss mit lustig, die Männer im „Sommerdorf“ versammelten sich an einem großen Felsen und wir wurden verhört und angeklagt hier ohne Genehmigung unterwegs zu sein. Die Stimmung war nicht feindselig, jedoch wurde uns unmissverständlich klar gemacht, dass wir im wahrsten Sinne des Wortes zu weit gegangen waren. An ein Weitermarschieren in Richtung K2 war nicht mehr zu denken, und so marschierten wir den selben Weg, mit kleinen Varianten zurück nach Pasu.

 

Während der letzten Tage des Rückmarschs wurde Patrick plötzlich sehr krank, mit hohem Fieber, Erbrechen und Durchfall. Trotzdem mussten wir weitermarschieren zurück zur Strasse und zurück zu einer Versorgung mit Arzt und Medikamenten. Bis wir allerdings in Gilgit (dem ersten richtigen Ort) und bei einem Arzt waren, dauerte es aufgrund der Entfernung und der Abgeschiedenheit noch ein paar Tage, und Patricks Zustand schwankte zwischen schlecht und sehr schlecht. In Gilgit gab es nach fast einer Woche endlich ärztlich Versorgung, und der Ortsarzt „Dr. Lari-Fari“ verschrieb jede Menge Medizin, die Nichts half und Patrick wurde immer schwächer und magerer, bis die Krankengeschichte nach einer ewig erscheinenden Busfahrt in einem Krankenhaus in Islamabad, der Regierungsstadt Pakistans, endete, wo die Amöben durch die richtigen Medikamente schnell bekämpft waren, es mit Patrick wieder bergauf ging, und wir unsere Reise fortsetzen konnten.

 

Bei Lahore – Amritsar überquerten wir die Grenze nach Indien, genossen ein paar Tage in der friedlichen Atmosphäre des Goldenen Tempels und brachen dann auf in das umkämpfte Gebiet Kashmir. In Srinagar, der Hauptstadt Kashmirs war zwar viel Militär präsent, jedoch gab es weder Anschläge noch Schiessereien und auch bei Ausflügen in die Umgebung schien das Land friedlich und schön. Erst als wir in Richtung Ladakh weiterfuhren kamen wir in einen gefährlichen Abschnitt. Der Bus wurde gestoppt, am großen Hügel darüber lagen Soldaten die Richtung Norden feuerten. Dann das „Losfahren. Schnell!“ für unseren Fahrer, der in Wahnsinnstempo, vorbei an ausgebrannten LKW- und Buswracks in Richtung Sicherheit raste.

 

Weiter entfernt von der Feuergrenze wurde alles wieder entspannter und wir reisten nun am Logenplatz, am Dach des Busses, bis Leh, der Hauptstadt Ladakhs, wo wir für ein paar Tage Halt machten, und zum ersten Mal auf dieser Reise mit einer Unzahl von Touristen konfrontiert waren. Bisher waren wir fast ausschließlich in Gegenden unterwegs gewesen, die von Touristen eher gemieden wurden.

 

Unsere Weiterfahrt nach Süden gestaltete sich wieder als relativ spannend, da unser Bus am ersten Pass auf über 3000 Meter seinen Geist aufgab, und unser Ersatzfahrzeug  ein Planenwagen mit offenem Heck war (auf den wir einen ganzen Tag lang warten mussten) und mit welchem wir gemeinsam mit 20 anderen Personen, auf der Ladefläche hockend 4 Tage lang über verschneite Passstrassen schlitterten, bis wir letztendlich völlig erschöpft und paniert vom ständig hochgeschleuderten Strassendreck der unasphaltierten Pisten, Chandigarh erreichten.

 

Das Klima in den Tiefländern war schwül und ungemütlich warm, doch eine Wohltat nach der Kälte auf dem Planenwagen. Wir fuhren nun weiter in Richtung Nepal, querten das Terai und erreichten Katmandu, wo wir unsere Eltern für zwei gemeinsame Wochen trafen und uns klar zu einer Trekkingtour zum Everest machten. Wir starteten ganz unten, in Jiri, marschierten durch den Nebelwald immer höher, hatten insgesamt sehr schlechtes Wetter, jedoch letztendlich öffnete sich der Himmel und wir genossen einen faszinierenden Blick auf Everest, Nuptse, Lhotse und die restliche Bergszenerie.

Die Reise hatte einen würdigen Abschluss gefunden und nach ein paar Tagen in Katmandu reisten Patrick und ich mit dem Bus nach Delhi und zurück nach Österreich.

 

 

   

 


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